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Text und Fotos © Uwe Römers
Wozu überhaupt ein Tarnzelt? Ich
kann in einem Zoo wunderbar aus nächster Nähe
fotografieren, kann Portraits von allen
erdenklichen Tierarten machen, und das dazu mit
einer nahezu hundertprozentigen Präsenzgarantie.
Wenn man in der freien Natur fotografiert, kommt
man nur sehr selten nah genug an scheue Tiere
und Vögel heran. Deren Fluchtdistanz ist so
groß, daß ein starkes Teleobjektiv allein nicht
mehr ausreicht, um zufriedenstellende Fotos
machen zu können. Außerdem garantiert einem
niemand, daß man überhaupt etwas antrifft. Man
möchte sich nun fragen, warum der Aufwand denn
nötig ist, außerhalb des Zoos wilde Tiere zu
fotografieren. Nun, aus rein
fotografisch-technischer Sicht betrachtet
entstehen im Zoo hervorragende Fotos, gar keine
Frage. Aber in gewisser Weise ist die einzige
Herausforderung dabei die richtige Bedienung der
Ausrüstung. Damit möchte ich jetzt die Qualität
dieser Aufnahmen nicht schmälern. 
Ich
will vielmehr darauf hinaus, daß man in der
freien Natur ein ganz anderes Erlebnis hat, wenn
man ein Tier in seiner natürlichen Umgebung
beobachten und fotografieren kann. Das klappt
bei weitem nicht auf jeder Fototour. Die
Spannung bleibt und man kommt durchaus auch oft
enttäuscht wieder heim. Aber wenn man dann mal
wirklich sehr gute Fotos schießen konnte, sind
einem diese enorm viel wert und entschädigen die
vielen erfolglosen Stunden der Geduld. Außerdem
hält man dann authentische Fotos in der Hand,
die eine Natur widerspiegeln, so wie man sie
selbst erleben durfte. Der Betrachter dieser
Aufnahmen wird davon (leider) Vieles nur erahnen
können.
Ich habe hier in Bayern viele Hochsitze am
Waldrand entdeckt, von wo aus man unauffällig
beobachten kann. Aber einen Naturfotografen kann
diese Art von Deckung meist nicht
zufriedenstellen. Sofern die Hochsitze nicht
abgesperrt sind, können sie für die reine
Beobachtung genutzt werden. Aber zum
Fotografieren muß man den Standort wechseln
können, um sich den entsprechenden
Lichtverhältnissen anzupassen. Die beste Sicht
auf die Lichtung am Waldrand ist wertlos, wenn
die Sonne so steht, daß eine Gegenlichtsituation
vorliegt. Möchte ich dabei etwa ein Reh
fotografieren, welches unten auf der Lichtung
steht und ungefähr in meine Richtung schaut, ist
das Gesicht im Schatten. Mit einem Tarnzelt ist
man da wesentlich flexibler.
Vorüberlegungen. Wenn man es sich
einfach macht und nicht unbedingt sparen muß,
kann man ein fertiges Tarnzelt kaufen. Isarfoto
Bothe in Icking führt einige interessante
und sehr leichte Exemplare. Ich entschied mich
für eine Eigenkonstruktion. Von der Entscheidung
bis zum Bau vergingen allerdings einige Wochen,
in denen ich mir sehr viel den Kopf darüber
zerbrach, was ich eigentlich haben wollte. Viele
Alternativen habe ich durchdacht, teilweise im
Gespräch mit einem Freund, der selbst wertvolle
Ideen einbrachte und mir am Ende mit dem Nähen
des Zeltmaterials ausgeholfen hat. Bei den
ersten Ideen hatte das Packvolumen des
zusammengelegten Zelts oberste Priorität. Aber
die meisten in Erwägung gezogenen
Lösungsmöglichkeiten verwendeten viele
Kleinteile, die das Aufstellen langwierig
gemacht hätten und außerdem verlierbares
Material darstellten (Winkeleisen,
Flügelmutterschrauben). Ich bin einige Tage
lang durch die Baumärkte gebummelt, um das
Angebot dort zu erfassen und so vielleicht neue
Ideen anzuregen. Am Ende waren die Anforderungen
an das zukünftige Zelt wie folgt definiert:
- Robustes Grundgerüst (war immer wichtig)
- Schnelles und einfaches Aufstellen
- Möglichst keine verlierbaren Kleinteile
- Integrierter Sitz
- Gewicht (weniger wichtig)
Das
Tarnzelt stellt einen Gebrauchsgegenstand dar,
ich baue das Gerüst im freien Gelände auf, wo es
Unebenheiten gibt usw., also soll es was
aushalten. Außerdem möchte ich nicht eine halbe
Stunde lang damit beschäftigt sein, das Zelt
aufzustellen. Schließlich will ich ja nicht von
den Tieren ausgelacht werden, die ich eigentlich
fotografieren soll :) Bei einigen Lösungsideen
wären zur Stabilisierung des Grundkastens viele
Winkeleisen und Flügelmutterschrauben oder
Scharniere mit freigelösten Bolzen nötig
gewesen. Einerseits ist das dann im Gelände
draußen ein reines Gefummel, andererseits bei
kaltem Wetter eine undankbare Fingerarbeit und
die Kleinteile gehen schnell mal in der
Dämmerung verloren. Ein integrierter Sitz
erübrigt die Mitnahme eines zusätzlichen
Hockers. Das Gewicht verlor nach und nach an
Bedeutung, als ich mir über den Einsatz Gedanken
machte. Ich fahre ein Stück raus in die Natur
und gehe dann mit meiner gesamten Ausrüstung zu
einem bestimmten Ziel, wo ich das Zelt
aufstelle. Ich beschränke meine Standortwechsel
auf Anpassungen hinsichtlich der
Lichtverhältnisse, also hinsichtlich dem Stand
der Sonne. Bewege ich mich zu viel, verliert das
Tarnzelt seine Wirkung (zu viel Bewegung
irritiert die Tiere und sie ziehen sich weiter
zurück).
Benötigtes Material. Das
Grundgerüst wird aus 50 mm dickem Rundholz
gebaut. Dieses ist sehr stabil und es gibt im
Baumarkt dazu passende Verbindungsteile aus
robustem Plastik. So kann man sich Winkeleisen
aus Metall sparen. Die Zeltwand wird im
klassischen Stil mit Zeltstangen aufgespannt.
Benötigt wird folgendes:
- Rundholz 800 x 50 mm (4 Stück, Rahmen)
- Rundholz 300 x 50 mm (4 Stück, Beine)
- Rundholz-Verbinder (4 Stück)
- Zeltstange 300 mm (2 Stück)
- Paketschnur 50 cm (4 Stück, Zeltstoff
ausspannen)
- Tarnstoff 150 x 400 cm (Meterware, z.B. von
Isarfoto Bothe)
- Kräftiger Stoff ca. 150 x 30 cm (Sitzfläche,
z.B. von IKEA)
- Cordura-Band ca. 400 cm (Verstärkungen an
der Zeltwand und Sitzfläche)
- Klettverschluß ca. 20 cm
(Schnellverschlüsse)
- Reißverschluß, mind. 100 cm (Einstieg)
Die benötigten Schrauben für das
Grundgerüst sind bei den Rundholz-Verbindern
schon dabei. Außer einem Schraubenzieher und
einer Nähmaschine braucht man kein weiteres
Werkzeug.
Konstruktion.
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Alle acht Verbindungen werden an
die Enden der Rahmenhölzer geschraubt. Dabei ist
darauf zu achten, daß diese jeweils gleich
ausgerichtet sind. |
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An zwei Rahmenhölzer werden die
vier Beine festgeschraubt, um später beim
Belasten des Rahmens genug Stabilität zu haben.
In die vier Beinhölzer werden senkrechte
Bohrungen für die Zeltstangen gemacht. Die
Löcher sollten ausreichend tief sein, damit die
Stangen nicht von alleine herausrutschen können.
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Der Grundrahmen wird durch einen
maßgeschneiderten Hängesitz ausgespannt. Die
losen Kanten dienen nur als Stützen für die fest
an die Beine montierten Hölzer und werden später
nicht belastet.
| Das gesamte Gerüst
ergibt sich nun, wenn die Zeltstangen diagonal
über den Rahmen gespannt werden. Wenn das
Grundgerüst steht, kann der Tarnstoff mit
Wäscheklammern an einer Seite fixiert werden, um
Maß zu nehmen und Markierungen zu zeichnen. Dies
gilt dann als Schablone für alle vier Wände. Der
Stoff sollte so angesetzt werden, daß am Boden
ein wenig Überschuß bleibt (etwa zum Säumen).
Oben an der Zeltspitze soll am Ende ein Loch
übrigbleiben, weil das Einfädeln und Ausspannen
der Zeltstangen dadurch wesentlich leichter ist.
Man muß übrigens beim Maßnehmen genug Material
für das Einnähen eines Tunnels hinzurechnen.
Sind alle vier Zeltwände anhand der ersten
Schablone ausgeschnitten, kann das Nähen
beginnen. Jeweils zwei Teile ergeben eine
gemeinsame Kante des späteren Zelts, zwei Nähte
in großzügigem Abstand erzeugen dann einen
Tunnel für die Zeltstangen. Die Kanten des
oberen Lochs sollten mit Cordura-Band verstärkt
werden, weil dort beim Aufstellen viel Zug auf
die Nähte kommt. An die Ecken der Zeltwand näht
man noch Schlaufen an (auch Cordura), um sie
damit nach unten am Grundrahmen ausspannen kann.
Den Stoff unterhalb der Zeltstangen fixiert man
mit kleinen Klettverschlüssen, damit die Beine
selbst bei Windgang versteckt bleiben. Für den
Einstieg näht man auf einer Seite einen langen
Reißverschluß auf. Die Öffnung für das Objektiv
sollte dann auf der gegenüberliegenden Seite
gemacht werden. Ich habe hierfür einen Schlauch
genäht, der vorne einen justierbaren Gummizug
hat, um dicht an der Streulichtblende
verschiedener Objektive anzuliegen. Dieser
Schlauch ist großzügig gearbeitet, damit nicht
jede kleinste Bewegung an der Zeltwand zieht.
Geschickt zusammengelegt kann der Rahmen ohne
lose Einzelteile auf der Schulter transportiert
werden. Die beiden Stützbretter werden einfach
zwischen die fest montierten Beine geschoben,
parallel zu den festgeschraubten langen Hölzern.
Der Rest ist in einem kleinen Zeltbeutel
untergebracht.
Aufstellen am Fotoziel.
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Hier sieht man das etwas lieblos
ins Gras geworfene Material :) Die Hölzer sind
schon auseinandergenommen, der Sitzstoff liegt
darüber, im kleinen blauen Sack befindet sich
die Zeltwand samt Zeltstangen. |
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Der Grundrahmen ist schnell
aufgestellt. Die vier langen Hölzer werden so
ausgerichtet, daß sich ein Quadrat ergibt. Durch
die beiden Schlaufen der Sitzfläche werden die
Hölzer mit den Beinen durchgesteckt; danach kann
der Grundrahmen mit den anderen zwei Hölzern
ausgespannt werden. |
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Nun kann die erste Zeltstange (in
der Mitte noch nicht zusammengesteckt) durch
zwei diagonal gegenüberliegende Tunnel im
Zeltstoff geführt werden. Jetzt sieht man, wie
hilfreich das ausgesparte Loch ist. Die
Stangenenden schiebe ich schon mal in die
entsprechenden Bohrungen der Beine und stecke
anschließend die Stange in der Mitte auch
zusammen. |
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Mit der zweiten Stange verfahre
ich genauso. Im Bild ist die Stange noch nicht
durchgespannt. Wenn sie auch gespannt ist, sitzt
die Zeltwand etwas locker auf dem Gerüst.
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Steht das Zelt so schon mal, wird
das Material an den vier Ecken am Grundrahmen
ausgespannt (angenähte Cordura-Schlaufen und
Paketschnüre, ich benutze kurze Schnürsenkel,
die sind hierfür ideal). |
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Schließlich wird die Schürze an
den vier Ecken mit dem Klettverschluß windsicher
gemacht. Auf Heringe u.a. kann man getrost
verzichten, weil der Grundrahmen aus Holz genug
Gewicht hat, um das Zelt auch im Sturm am Boden
zu halten :) Mit dem Gummizug wird der
Objektivtunnel eng an die Streulichtblende
angezogen. Das Fotografieren kann losgehen.
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